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Free Wifi
Kategorie: Installation, Laborstück
Kollaboration: Lennart Melzer

Raumintervention / Installation im Rahmen des die digitale Festivals in Düsseldorf.
Der ursprüngliche Ankündigungstext:

Die Installation lädt das Publikum in einen gegen elektromagnetische Strahlung abgeschirmten Raum ein. Verschiedene Modi der Kommunikation sind verfügbar und regen zur Reflexion von alltäglichem Umgang mit Begriffen wie Netz, Internet, WLAN, etc. an.

Wie es meistens nun einmal so ist, verändert sich während der Produktionsphase doch noch so einiges. Nachdem das pysische Modell des farradayschen Käfigs nicht nur aus Kostengründen verworfen war, wurde aus die abgeschrimte Isolatoin sozusagen metaphysisch umgesetzt.
Ein im Ausstellungsraum aufgespanntes WLAN-Netz, für das Publikum "zugänglich" funktioniert als eine Art Falle. Einmal drin, kommt man nicht mehr hinaus. Man ist aus dem Weltnetz, dem World Wide Web ausgeschlossen und nur noch lokal vernetzt. Egal welche Seite aufzurufen versucht wird, man landet immer wieder an der selben Stelle, der FREE WIFI Seite.

Dort steht im Zentrum das Laborstück I.
Ein Gespräch über ein Gespräch, eine Komposition aus einer Situation. Ein lautes Denken und öffentliches Forschen. Ein Konversationskunstwerk.

Ein Ausschnitt aus dem Code der Liveperformance (Ein Klang(=SynthDef) und ein Pattern (=Pdef), der den Klang spielt):

(
SynthDef(\net, {|out = 0, oT = 5, grundT = 75, amp = 0.5|
var sound, env;
env = EnvGen.ar(Env.perc(0.01, \sustain.kr), doneAction: 2);
sound = SinOsc.ar(grundT * oT);
Out.ar(out, sound * amp * env)
}).add;

(
Pdef(\net, {
Pbind(\instrument, \net,
\out, Pseq([1, 0], inf),
\grundT, Pseq([75, 65, 45, 92, 50, 102, 80], inf),
\oT, Pseq([9.nthPrime, Pseq([5.nthPrime, 6.nthPrime], 1), 16.nthPrime, 12.nthPrime], inf, 0),
\dur, Pseq([20, 2, 1.4, 3, 1, 0.5], inf),
\sustain, Pseq([3, 7, 0.2, 5, 1.4, 4], inf),
\grundT, Pseq([Pseq((55..53), inf), Pseq((52..54), inf), Pseq((53..55), inf)], inf)
)}).play;
)

Probe vor dem Ernstfall
Kategorie: Performance
Kollaboration: Mavi Garcia

Ein Büro. Regeln Regeln. Es mutet vielleicht sogar ein wenig post-apokalyptisch an, mit einer kleinen Priese Nostalgie.
Überbordende Papier- und Ordnerstapel. Trostlose Postkarten und verbaute Perspektiven. Die beiden Beamten – bzw. die Beamtin und der Beamte – sortieren, stempeln, ordnen, lochen und tackern unermütlich Akten in einem vergessenen Büro. Die monotone Routine gleicht einem seltsamen Ritual: Nach jedem Einsatz des Paginierstempels wird das entsprechende Dokument dem Partner bzw. der Partnerin einverleibt. Oder vielleicht besser: anverleibt.

Über die Dauer von 3 Stunden während des Performancefestivals Riten und Regeln in der Düsseldorfer Betonbox, blähen sich die Beamtenkörper immer mehr auf, bis sie von den Akten in die Bewegungslosigkeit gezwungen werden.
In der Zusammenarbeit mit der Künstlerin und Perfomerin Mavi Garcia entsteht ein Raum für die Reflektion über verschiedene Themen, wie: vorauseilenden Gehorsam, Pflichtbewusstsein, Arbeitsmoral und die Notwendigkeiten (in) einer organisierten Gesellschaft.

Producing Problems
Kategorie: Konversation, Konzert, Lecture, Programmierung, Laut forschen
Kollaboration: Lennart Melzer

ein gemeinsam mit medienkünstler und programmierer lennart melzer gegründetes label mit interesse an un- oder nur schwer vermittelbarem. betätigungsfelder sind die entwicklung von gesprächsformaten (feld- und laborgespräche), open source software, sowie workshops wie z.b. die arduino werkstatt: ein regelmässiges, offenes treffen, das wahlweise die form einer arbeitsbesprechung, eines kolloquiums oder eines gemeinschaftsateliers hat. in der regel kommen studierende mit technischen fragen (soft problems), auf die es prinzipiell antworten gibt, und gehen mit wirklichen problemen inhaltlicher oder konzeptioneller art (hard problems) nach hause.

(
/*~text = "Aufzeichnung / Wahrnehmung
Abgrenzung / Auseinandersetzung / Reibung
Befriedigung / Sex
Beziehung / Zeit / Dienstleistung
Diskurs / Widerstand
Erfüllung / Erfolg
Erkenntnis / Ignoranz
Können / Lernen
Macht / Ökonomie / Arbeit
Projekt / Vereinnahmung
Respekt / Rollen
Spass / Stress / Arbeit
Wert / Ziele / Sinn / Zufriedenheit".replace(" ", "");

~words = ~text.split($\n).collect{|x| x.split($/).sort.postln}.sort({|x, y| x.first <= y.first}).collect{|x| x.join(" / ")}.join($\n);
*/
~words = "Aufzeichnung / Wahrnehmung
Befriedigung / Sex
Beziehung / Dienstleistung / Zeit
Diskurs / Widerstand
Erfolg / Erfüllung
Erkenntnis / Ignoranz
Können / Lernen
Macht / Ökonomie
Projekt / Vereinnahmung
Respekt / Rollen
Sinn / Wert / Zufriedenheit
Spass / Stress"
// »Spass und Stress, ist [sic!] das Letzte« (lennart m.)
)
(
~keywords = Pseq(~words.split($\n), inf);
~key = ~keywords.asStream;
w = Window(bounds:Window.screenBounds);
t = StaticText(w.asView, Window.screenBounds).focus(true);
t.string = "";
t.align = \center;
t.font = Font("Gill Sans", 120, true);
w.front;
CmdPeriod.doOnce({w.close});
t.stringColor_(Color(1, 0.6, 1, 1));
t.background_(Color.black);
~key.reset;

Tdef(\count, {
var minute = 60;
loop {
defer {
t.stringColor_(Color(1, 0.6, 1, 1));
t.background_(Color.black);
t.string = ~key.next();
};
(minute * 1/6).wait;
defer {
t.stringColor_(Color.black);
t.background_(Color(1, 0.6, 1, 1))};
(minute * 5).wait;}}));
(
w.fullScreen;
Tdef(\count).play;
);

t.background_();

------- Ein transkribierter Ausschnitt aus dem Gespräch:

f: Nee, aber also äh. ich bewege mich erstmal durch’n raum und dabei kann es sein, dass mein Körper irgendwie in das Gesicht eines anderen…Körpers…
l: …rutscht…
f: rutscht, aber ich, niemand weiss halt davon, weil also es tut halt dann, irgendne empfindung ist da. aber du weiss nicht woher die kommt und
l: wer die hat.
f: wer die hat, so und dann entwickelst du die idee… von dir selbst und von deinem arm… und ab irgendnem punkt kommt eben die diese reproduzierbarkeit rein das du weisst jetzt ist nicht alles bewegung einfach sondern ich kann halt ausholen und irgendwie jemand son richtigen schwinger verpassen. so und also die fra…vielleicht ist das auch gar nicht so wichtig wie man dahin kommt. die die these vorhin war, dass man das durch imitation irgendwie dann, oder dann öh ja doch, durch identifizierung
l: nachahmung
f: du identifizierst dich
l: Du schaust jemandem dabei zu wie er eine Handlung von Anfang bis Ende vollführt
f: Und danach nochmal, nochmal drauf-sch-sch-schlägt

Langzeitstudie
Kategorie: Live Video, Konzert, Visual Music, Programmierung
Kollaboration: Partita Radicale

In dem Projekt Langzeitstudie bestand die Herausforderung in der synchronisierten Wiedergabe und dem Projektionsmapping von drei Videoquellen auf drei Objekte im Raum – realisiert mit open source software.
Gemeinsam mit dem wuppertaler experimental Ensemble Partita Radicale ist ein audiovisuelles Konzertprogramm enstanden. Die vier fünfzehnminütigen Stücke sind improvisationen, die auf einer wechselseitig inspirierten Materialsammlung basieren. Das Videomaterial ist stilistisch vielfältig: von live gecodeten Animationen über abstrakte bis zu konkreten Videoaufnahmen.
Eine OSC-Implementierung für openframeworks erlaubt die synchrone Steuerung, bzw. das livecoding von drei Raspberry Pis.

Die ernüchternde Feststellung, dass es kaum verwendbare open-source Software im Bereich Projectionmapping gibt, zwang mich dazu, selbst eine Lösung zu entwickeln bzw. zu programmieren. Von dieser herangehensweise nimmt das Publikum eigentlich nichts war.
Solange Alles funktioniert, ist die Technik als vermittelndes Element erst einmal transparent.
Nur an den Bruchkanten und Rissen in der Oberfläche des Mediums befinden sich die Eingänge in tieferen Ebenen. In den Glitches oder Störungen wird ein epistemisches Potential freigesetzt, was in meinen Arbeiten oft einen zentralen Punkt darstellt. Die Langzeitstudie – eine Suche nach interessanten Problemen – reflektiert sich in dieser Arbeit in der Methode.
Das oben Beschriebene ist etwas, das in der Zusammenarbeit mit Partita Radicale alles hinter dem Vorhang passiert und steht in den Konzertsituationen im Hintergrund.
Dort ist es für das Publikum spannender, in die mikroorganischen Prozesse der Musik einzutauchen und diese gemeinsam mit den Bildern auf sich wirken zu lassen.

Klasse Komponiert
Kategorie: Live Video, Bildung, Animation, Programmierung
Kollaboration: Ortrud Kegel

open source video sampler. eine produktion der jungen oper rhein-ruhr. gemeinsam mit der musikerin ortrud kegel realisierung einer, entfernt an "gullivers reisen" angelehnte oper mit kindern aus einer integrativen grundschule in duisburg marxloh. auf grundlage der von den kindern gemalten bilder entwickelte animationen werden zur unterstützung der handlung und als teile des bühnenbilds live per midi-controler via supercollider gesteuert.

Anton Winkler
Kategorie: Konzept
Kollaboration: Anton Winkler

anton winkler ist eine fiktive persönlichkeit, die grossformatige kunstwerke im öffentlichen raum inszeniert. über anton winkler selbst ist nicht viel bekannt, es tauchen zwar immer wieder berichte auf, diese sind aber stets nur ein indirekter zugang zu dem künstler.
anton winklers website

»ANTON WINKLER
After experimenting with cartoon animation as a child, he started making his first abstract experimental films while living in Paris from 1949 to 1959, a period during which he also showed paintings and kinetic sculptures at galleries such as the renowned Galerie Denise René. After highschool and community service in an institution for the mentally ill he went to Marburg to study art, music and media at Phillips Universitaet. One year later he changed to the Städelschule in Frankfurt. There he started working with 16mm film.

He began making performances and films in the UK in 1971, moving to New York in 1973. He has exhibited worldwide in museums and galleries, and is internationally famous for his Tree films such as Trees lying around. For some years a cult figure of postmodern theory, Winkler moved beyond the postmodern discourse from the early 1980s to the present, and has developed a highly idiosyncratic mode of philosophical and cultural analysis. Anton Winkler is currently working in New York and Northwestern Connecticut.«

Pscht
Kategorie: Konzert
Kollaboration:

konzert im royal conservatory den haag. das klangmaterial, bestehend aus plosiven und frikativen menschlichen stimmlauten, ist durch einen finiten automaten organisiert, dessen zustände und übergänge live gecodet sind. der klang ist über drei diskrete lautsprecher horizontal über die bühne verteilt.

Unterbrechung unterbrechen
Kategorie: Performance
Kollaboration: Lecture

eine performative vortragsmethode, die das flüchtige im statischen untersucht. die reinszenierung einer möglichen vergangenheit als kybernetisches system wird als gefährt für reisen in unentdeckte sphären erprobt. unterbrochen werden soll das schon bekannte, die eingeübten bewegungen, die ungetrübten vergnügungen – die unterbrechung soll in den kontrollverlust steuern und steuerlos zum unvorhergesehen führen.

wenn sich kein allgemeineres gesetz finden lässt, durch das die erfahrung eines vorgangs von mir losgelöst betrachtet werden kann, ist es wohl wenig sinnvoll darüber so zu schreiben, als sei es ein naturgesetz.
ein vorgang ist eine prinzipiell in sich abgeschlossene einheit von kausalketten.

ein vorgang ist ein geschehen, das sich ereignende.

es gibt einen vorfall im vorgang.

Was ist eine Unterbrechung?
Eine Unterbrechung ist das unterbrechen eines Fließens.
Sie kann stören.
Eine Unterbrechung kann sehr willkommen sein.
Sie unterbricht einen Vorgang und erzeugt einen Vorfall.
"shutdown".unixCmd (...)
Sie kann kontrolliert hervorgerufen werden, also gewollt sein. Sie kann aber auch überraschend eintreten.
Das Eintreten einer Unterbrechung kann vorhergesehen werden. Dann ist es ein Unterbrechen.
Dabei entsteht ein Bezug zur Zukunft. Es kann gewusst werden, wann, was oder wie und womit unterbrochen wird.
Kontrolliert ist sie eine Pause.

Unkraut in blühenden Landschaften
Kategorie: Ortsspezifisches Hörspiel, Installation
Kollaboration: Mareike Piepel

Ein Installatives Hörstück in Zusammenarbeit mit Mareike Piepel.
Das Aufblühen der anarchischen Natur im Stadtraum außerhalb vorgesehener Flächen wird selten geduldet geschweige denn gern gesehen. Dem Maß des kultivierten Menschen entsprechend soll die Flora ihren Zweck als Zierde, Naherholung oder Ähnliches erfüllen. Wenn – wie im Beispiel des Neuland Projekts in Köln – sich Natur an die Stelle eines Immobilien-Spekulations-Objekts setzt, werden die Karten neu gemischt und es stellt sich die Frage nach dem (un)politischen Potential des Unkrauts. Das Installative Hörstück zeigt am Beispiel des Unkrauts Zwischen-(Raum)-Nutzer*in verschiedene Visionen von Stadtraum.

28.8.2016 / 17-22 Uhr / NeuLand e.V. / Köln / Schönhauser Straße Ecke Koblenzer Straße
Eintritt frei, um Spenden wird gebeten

Initiiert vom Ensemble für nicht gekonnte Musik

Leerstand
Kategorie: Installation
Kollaboration:

Für das Ausstellungsprojekt in Köln-Mühlheim entstand ein generatives, acht-kanaliges Hörspiel, für das ich bislang leider keinen richtig guten Titel finden konnte. In dem Raum an der Buchenheimer Straße postierte ich mich einen Tag und eine Nacht lang um das

Gemeinsam mit fünf weiteren KünstlerInnen möchte das Ensemble für nicht gekonnte Musik der Frage auf den Grund gehen, warum Menschen in Köln ihre Geschäfte aufgeben. Ob Gentrifizierung, persönliches Scheitern, private oder berufliche Umorientierung – in zwei leerstehenden Ladenlokalen in Köln-Mülheim präsentieren acht KünstlerInnen ihre jeweilige Sicht auf die Geschichten, Visionen und geplatzten Träume der ehemaligen MieterInnen.

Mi Casa es mi Casa
Kategorie: Aktion
Kollaboration: Mavi Garcia

Eine Mauer ist notwendig, solange das Ummauerte, zu schützende Gut denen vorbehalten bleiben soll, die das Recht des Besitzens für sich beanspruchen. Eine Mauer ist ein Machtinstrument, das durch seine Unüberwindbarkeit Konfrontationen vorbeugt. Gleichzeitig lässt sich das Vorhandensein eines Innerhalb der Mauer als Legitimation verwenden, das, was sich dort innerhalb befindet, als schützenswert zu erachten.

Das Überlegenheitsgefühl im Inneren beruht auf den bewundernden oder neidischen Blicken von Außen. Diese wiederum werden von der Mauer selbst erzeugt, denn die Mauer umrahmt deutlich / zeigt Ihnen deutlich das, was nicht Ihres ist.

Gleichwohl kann ein Innen von Außen abschätzig betrachtet werden: von einem anderen (äußeren, anderen) Innerhalb aus, in dem noch wertvollere Werte mit noch höheren Mauern geschützt sind.

Eine Mauer kann also ihre eigene Notwendigkeit produzieren, in dem sie durch die geschaffene Voraussetzung der inneren Lebensqualität gleichzeitig den unabdingbaren Schutz des zu erhaltenden Zustandes bieten kann.

Zur Erfüllung dererlei Aufgaben sind im übrigen auch Zäune, Gräben oder Wälle adäquate Mittel.

Die Aktion Mi Casa Es Mi Casa [abgeleitet vom span. Sprichwort Mi Casa es tu Casa] zeigt, wie die banale Handlung des Errichtens einer Mauer Kategorien wie Ausländer, Flüchtlinge oder Immigranten erst erzeugt. Zwei Arbeiter errichten eine Mauer, die zur Projektionsfläche eines Videos wird. Darin sind die entindividualisierten Personen eingereiht, die sich für ein vermeintlich besseres Leben anstellen und es wartet doch nur ein Platz im Leichensack auf sie. Die Mauer schafft Distanz zwischen den zerschellenden Hoffnungen und Sehnsüchten der Fremden und den behüteten Heimstätten der Wohlstandsmenschen der Überflussgesellschaft. Die von innen heraus produzierten Töne und Bilder der scheinbar homogenen Menschenmasse außen sind problemlos ein-, um- und abschaltbar. Wieviel sie von der anderen Seite der Mauer sehen oder hören möchten, können alle für sich ganz individuell entscheiden.

Inwieweit die Menschen im Inneren von der Mauer neben geschützt auch eingesperrt sind, bleibt offen.

Nichtung auf allen Kanaelen
Kategorie: Installation
Kollaboration: keine
Den Ausganspunkt dieser Arbeit bildet die Werkreihe Die Entdeckung der Null, eine Auseinandersetzung mit den Möglichkeiten des Nichts und dessen Anwendung als künstlerische Praxis. In Zeiten hochkomplexer Steuerungsverfahren und allgemein um sich greifender Kontrollzwänge ist für mich die Auseinandersetzung mit dem Nichts interessant und notwendig. Meiner Überzeugung nach tritt das menschliche oder humane an Kanten, Fehlern und Dysfunktionen hervor. Die in einem optimalen Prozess fehlende Reibung verhindert das Entstehen von Energie, gleichzeitig verliert das ganze System in seiner reinen funktion letztlich die Relevanz und wird im besten Fall opak. Als eigenes Phänomen sicher interessant, jedoch beschäftige ich mich in dieser Arbeit mehr mit dem System im Bezug auf die Menschen: Eine Skulptur - an eine Röhre oder einen Kamin erinnernd - zieht durch das ausfallende Licht an beiden offenen Enden Aufmerksamkeit auf sich. Der direkte Blick in das Innere bleibt vorerst verwehrt. Ist das Publikum neugierig genug, kann es versuchen einen Blick in das Innere zu werfen. Die Näherung löst jedoch nicht wie erwartet die angestaute Spannung auf, sondern erzeugt durch die Interaktion mit dem Publikum bloß Ungewissheit und Verwirrung. Versucht die Betrachterin nämlich in das Innere der Skulptur zu blicken, wird das Licht im Inneren wie von Geisterhand gelöscht. Nach dem Abwenden von der Installation wird der verunsicherte Betrachter nach einigen Momenten durch ein leises Klicken des Schaltkreises (bzw. des Relais) wieder aufmerksam - das Licht brennt erneut, gleichzeitig ist der ganze Interaktionsprozess nun vollendet.
Wortsampler
Kategorie: Poesie
Kollaboration: Marc Matter

Am 11. und 12. April 2015 fand zum ersten Mal in der Düsseldorfer Betonbox das Wortsampler Festival statt. Neben dem Abend mit Aufführungen und Performances, an dem Audio-Texte, Sample-Poetry und digitale Poesie präsentiert wurden, waren zur Konferenz am folgenden Tag Gäste eingeladen, um über das Potential des noch un-etikettierten Genres zu sprechen.

WORTSAMPLER ist ein, in James Joyces Finnegans Wake zu findender Neologismus unter dem Marc Matter und Florian Zeeh die Auseinandersetzung mit dem Thema der Sample-Poesie zusammenfassen.

Der Schwerpunkt liegt auf unterschiedlichen Formen Akustischer Kunst und Literatur, die unter Einbeziehung von akustischem Fremdmaterial im Medium Text nach neuen poetischen Formen suchen. Dabei handelt es sich um ein Feld zwischen Literatur, Klangkunst und Performance, in dem schon lange experimentiert wird, welches aber im Literaturbetrieb kaum Beachtung findet.

Der erste WORTSAMPLER als Öffentlicher Diskurs fand im April 2015 statt. Neben einem Abend mit Aufführungen und Performances, an dem Audio-Texte, Sample-Poetry und digitale Poesie präsentiert wurden, fand am Folgetag eine Konferenz im Institut Fuer Musik und Medien statt.

Nach einem, in das Thema Einführenden Vortrag stellten verschiedene eingeladene RednerInnen ihre perspektive auf das Thema vor. Unter anderem wurde die historische verortung besprochen, die Vor- und Nachteile der Einbindung in einen Genrebegriff diskutiert und sich über zukuenftige Perspektiven des Wortsamplens ausgetauscht. Die Veranstaltungen fanden große Resonanz sowohl bei den, im Feld agierenden KünstlerInnen, als auch der Öffentlichkeit.

Homoeostepp
Kategorie: Live-Coding
Kollaboration: Peter Thoma
Ein Homöostat ist ein, sich in homöostase befindendes System.

Homöostase bezeichnet einen zustand, in dem ein system sich durch innere regelvorgänge im gleichgewicht hält. beispiele für solche systeme, die sich ihren äußeren reizen anpassen, finden sich in der kybernetischen betrachtung von verschiedensten wissenschaften. ein typischer, einfacher homöostat ist ein termostat. das termostat besitzt einen eingang (sensor) und einen ausgang (kontrollsignal), mithilfe derer es einen gewünschten zustand (z.b. 20°C) selbst regulieren kann. durch den abgleich des messergebnises (ist-zustand) mit dem soll-zustand kann die innere regulierung so erfolgen, dass sich das system in einem stabilen gleichgewicht befindet.

In Homöostep, einer live-elektronischen stepptanz performance, ist die idee der regulierenden rückkopplung musikalisch und tänzerisch umgesetzt. die stepptänzerin ist durch sensorensohlen mit entsprechendem w-lan-sender in der lage, ihre fuß-bewegungen (2x 3 freiheitsgrade) über das osc-protokoll als daten zu versenden. diese daten, sechs 10-bit zahlen, werden sonifiziert und als geräusch/klang/musik im raum über lautsprecher hörbar gemacht. da das stepptanzen an sich schon fast mehr musikalischer, als tänzerischer ausdruck ist, ergibt sich durch das auditive feedback aller (auch der normalerweise nicht hörbaren) Bewegungen besonders für die Stepptänzerin ein spannendes und herausforderndes Experiment.

Entdeckung der Null
Kategorie: Performance
Kollaboration:

Ein Konzert, das nicht stattfindet. Ein Dialog, der viele Sprachen spricht. Er steht im Dialog mit dem Nichts.

Ein konzert, das nicht stattfinden soll. dadurch spricht niemand mit nichts. doch es muss jemand sprechen, damit es ein konzert sein kann. das nicht denken, sprechen, hören möglich ist, auch wenn nicht gedacht, gesprochen oder gehört werden soll, bildet das recht abstrakte problem unserers verständnisses von nichts ab. diese paradoxe Auseinandersetzung wird durch Stimme, der Ney-Flöte und Supercollider hörbar, erfahrbar und erlebbar gemacht. Eine Stimme aus dem Lautsprecher leitet an. Den Anleitungen folgen – ist das überhaupt moeglich?

Ein ständiges Oszillieren zwischen Aktivität und Passivität, Denken und nicht Denken. Reine Passivität als unmöglicher Auftrag. Eine klangpoetische Betrachtung der Nutzlosigkeit als Lichtblick, von der Dauer einer Viertelstunde.

Perpetuum
Kategorie: Aktion
Kollaboration: Mavi Garcia

In kreisförmiger Unbewegtheit verzehren sie sich, um den letzten Tropfen zu verschenken. Im ersten Teil der Performance - Trilogie Schwarze Kiste behandeln Mavi Garcia und Florian Zeeh Fragen zur Arbeitsmoral. Arbeit, der entfremdete Schaffensprozess - Sinnlos für die Ewigkeit.

A. Camus sagt: Der Kampf gegen den Gipfel vermag ein Menschenherz auszufüllen. Wir müssen uns Sisyphos als einen glücklichen Menschen vorstellen. In der Performance kreist das Wasser. Die Aufgabe der Aktionisten besteht darin, das Wasser immerzu rundherum zu transportieren. Dabei bleibt im besten Fall mal ein Tropfen für sie übrig - sie dursten. In der unhinterfragten Pflichterfüllung wird das Wasser verschwendet, bis nichts mehr davon übrig ist. Und alle bleiben durstig. Die völlige Sinnlosigkeit des Vorgangs steht im Mittelpunk.

Nutzlosigkeit als Lichtblick
Kategorie: Video
Kollaboration:

In der Videoarbeit beschäftige ich mich, ähnlich wie in Entdeckung der Null, mit dem Nichts. Hier auf eine konstruktive Art und Weise, in dem das Nichts produziert wird.

Andererseits stellt sich damit automatisch die Frage, ob Nichts überhaupt aus Etwas hervorgehen kann. Ist das, was hier passiert nicht vielmehr die Transformation von Energie? Physikalisch in jedem Fall. Bleibt vielleicht noch die Metaphysik als möglicheit, Nichts zu denken.

Gleichzeitig kann hier die Frage nach einer möglichen Verwertung im kapitalistischen Sinne gestellt werden. Wie verhält sich ein destruktives System oder das konstruktive Nichts im Zusammenhang der Wertschöpfung?

Stahl Glas Strom
Kategorie: Installation
Kollaboration:

Stahl, Glas und Strom. Das sind die Hauptzutaten fuer eine Maschinerie, die gesteuert durch ihre Betrachter, Fehler und Berechnungen den Raum strukturiert. Drei unabhaengig von einander, unablaesslich kreisende Glaszylinder, in denen jeweils eine kleine Stahlkugel hin und her geworfen wird, produzieren Klang, Lichtbrechungen und Schatten. Manchmal halten sie inne - ein Magnet interveniert. Das in der Zukunft liegende Bersten des Glases, das Rosten des Stahls und die Urgewalten, die in ferner Vergangenheit die Materialien zum Vorschein brachten, existieren in diesem Raum zeitgleich.


Über Fehler, Psychologie: eine unbeabsichtigte Falschleistung, deren Unrichtigkeit bedingt ist durch ein Versagen der psychischen Funktionen: Aufmerksamkeit, Gedächtnis, Denken(Brockhaus)

Deutsches Institut für Normung (DIN): Ein Merkmalswert, der die vorgegebenen Forderungen nicht erfüllt

Die Bedeutung von Fehlern ist meistens recht schnell und eindeutig geklärt. Entweder verweist der Fehler auf das Problem, das durch diesen Verweis nun gelöst werden kann, oder man lernt dazu und macht es das nächste Mal besser. Schon in diesem Ausspruch: Das nächste Mal besser machen, wird eine grundlegende Problematik sicht- bzw. hörbar. In meiner künstlerischen Arbeit schließe ich von vorn herein kategorien wie: richtig; falsch; besser; schlechter etc. aus. Den Schaffensprozess sehe ich als Versuch, von dem ich kein Ergebnis erwarte.

Bei dieser Arbeit ging ich von einem Konzept aus, das vorerst nur als Theorie bestand hatte. Ich ließ mich von den Materialien, Stahl, Glas und Strom leiten und unterwarf meine Entscheidungen den Möglichkeiten und Einschränkungen, die diese Materialien bieten. Aus der Diskrepanz zwischen Konzept und Beschreibung lassen sich bereits einige Ergebnisse dieser Arbeitsweise ablesen. Interessnat ist die Frage, wie diese vermeintlichen Fehler im Zusammenhang mit der Installation wirken.

Die physische manifestierung einer Komposition von Struktur verändert durch die intermediale Transformation selbst schon ihre Struktur, und damit die Komposition. An dieser Veränderung bin ich interessiert. In der Arbeit geht es um Rhythmus auf verschiedenen Ebenen. Neben dem Klang sind auch die Bewegungen, die Anordnung der Apparate im Raum, und das Spiel aus Licht und Schatten rhythmisch strukturiert. Diese verschiednen Rhythmen stehen in einem Verhältnis und bedingen sich gegenseitig. Durch die beschriebenen, unüberschaubaren Fehler spielt die, ohnehin schon komplexe Rhythmusmaschinerie, noch komplexere Rhythmen.

Die Fehler oder, um es mit den Worten der DIN zu beschreiben: Merkmalswerte, die die vorgegebenen Forderungen nicht erfüllen, empfinde ich als bereicherung - sowohl des Werkes, als auch meines gesamten Lebens. Außerdem ergibt sich daraus der erfreuliche Nebeneffekt, dass der Besucher zu jeder Zeit einen anderen Rhythmus wahrnimmt.

Wie schon an anderer Stelle beschrieben, bin ich an den Übergängen von Vorhersehbarkeit und Unvorhersebarkeit interessiert. Die Fehler, die zum einen zufällig, zum anderen von mir bewusst und unbewusst produziert werden, eröffnen neue Perspektiven und bereichern zukuenftige Schaffensprozesse.

Entsprechungen
Kategorie: Installation
Kollaboration:

Die interaktive Installation Entsprechungen verwehrt sich im ersten Moment dem Publikum. Das Betätigen eines Seilzuges, der neben jedem der drei Entsprecher angebracht ist, widerspricht der Erwartung. Nichts passiert. Plötzlich dann doch: eine Stimme. Schwer verständlich krächtz sie aus dem an eine Mischung von Gegensprechanlage und Vogelhäusschen erinnernden Apparat. Dann wieder nichts. Ein reales telematisches Ereignis, oder ein inszenierter Fake? Beides. Die BesucherInnen kommunizieren unwissend miteinander. Der Empfänger, der Sender und die Botschaft: unbekannt.

Spurenhoerer
Kategorie: Performanceinstallation
Kollaboration: Mavi Garcia, Stefan Hauberg

Drei Aktionisten. Drei Räume. Ein Tag. Die Verbindung von Wahrnehmung und Gedächtnis ist eine Verbindung zwischen zwei mysteriösen Phänomenen. Normalerweise bleibt uns das, was dazwischen passiert, verborgen. Wir erleben uns als rationale Einheit, wir blicken aus einer Perspektive auf die Welt und sagen: Dies da, und Jenes dort. Wir hören, wir erinnern uns an das Geräusch und stellen uns vor, wie es wohl in ein paar Stunden klingen wird. Wir nehmen eine Perspektive im Bezug zur Zeit ein.

Betonbox
Kategorie: Organisation
Kollaboration:

Gründung der BETONBOX. Ein Offraum im düsseldorfer Norden.